Historische Tasteninstrumente im Robert-Schumann-Haus
Der von André Stein (1776-1842) in Wien erbaute Flügel trägt die Nummer 513 und wurde von Friedrich Wieck für seine Tochter Clara in Auftrag gegeben. In Claras Jugendtagebuch heißt es 1828: „D. 4. Maerz erhielt ich von Herrn Stein in Wien den für mich bestellten Flügel von 6 Octaven in Kirschholz“ (Archiv, Robert-Schumann-Haus). Am 20. Oktober 1828 spielte die neunjährige Clara Wieck auf dem Instrument bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im Leipziger Gewandhaus. Vater Wieck verkaufte das Instrument später an die befreundete Familie Focke, von deren Urgroßenkel das Zwickauer Schumann-Museum ihn 1911 zum Geschenk erhielt. 1995/96 wurde es durch Robert A. Brown (Arnsdorf bei Salzburg) fachmännisch restauriert. Der Zwickauer Flügel diente als Vorlage für die Abbildung auf der Rückseite der früheren 100-DM-Scheine.

 

Die Physharmonika stammt aus dem Nachlass von Friedrich Wieck. Sie wurde um 1825 in Wien erbaut. Clara Wieck erhielt eine ähnliche, von Joseph Carl Fuchs (1789-1832) erbaute Physharmonika am 10. März 1828 als Improvisations- und Reiseinstrument. Es handelt sich um einen Vorläufer des späteren Harmoniums. Mit dem linken Pedal wird der Spielwind gemacht, mit dem rechten Pedal kann während des Spiels durch Öffnung eines Windablass-Ventils die Lautstärke reduziert werden. Ein Messingknopf an der linken Seite der Tastatur hat dieselbe Funktion. Marie Wieck verkaufte das Instrument an den Schumann-Sammler Alfred Wiede in Weißenborn, dieser schenkte es am 21. April 1917 dem Zwickauer Schumann-Museum.

 

Das um 1840 erbaute Tafelklavier stammt aus dem 1797 gegründeten Unternehmen von Ernst Rosenkranz (1773-1828). Es kam 1970 als Schenkung ins Robert-Schumann-Haus und besitzt besondere Bedeutung, da Friedrich Wieck vielfach mit Instrumenten von Rosenkranz handelte und Clara Wieck mehrfach darauf spielte. Tafelklaviere dienten meist als preisgünstige Hausinstrumente, Clara Wieck notierte 1827 in ihrem Tagebuch „Pianoforten in Tafelform liebe ich nicht, weil sie gewöhnlich nicht Ton genug haben“ (Archiv, Robert-Schumann-Haus).

 

Die vermutlich aus dem 19. Jahrhundert stammende Pedalklaviatur war früher im Besitz der Paulus-Gemeinde Marienthal. Man kombinierte sie mit einem entsprechend höher positionierten Flügel oder Klavier. Unter der Pedalklaviatur verlaufen Saitenchöre die mit einer Hämmer-Mechanik am hinteren Ende angeschlagen werden. Ein solches „Pedal unter den Flügel“ mieteten Robert und Clara Schumann im Frühjahr 1845, um sich für das Orgelspiel zu üben. Robert Schumann entwickelte ein besonderes Interesse für dieses Kombinationsinstrument und schrieb für „Pedalflügel“ die Studien in kanonischer Form op. 56, die Skizzen op. 58 und (alternativ zur Orgelbesetzung) die Fugen über BACH op. 60. Durch großzügige Unterstützung des Klavierservice Michael Masur Berlin sowie der Robert-Schumann-Gesellschaft Zwickau konnte das Instrument wieder spielfähig gemacht werden.

 

Ein vermutlich um 1870 erbauter Flügel stammt von Ludwig Bösendorfer (1835-1919), der 1859 den Betrieb seines Vaters übernommen hatte. Das Instrument verwendet die traditionelle Wiener Mechanik, mit allerdings weit größeren und schwereren Hammerköpfen als der vier Jahrzehnte zuvor gebaute Clara-Wieck-Flügel. Eine wichtige Abweichung zwischen beiden Instrumenten ist auch der gusseiserne Rahmen des Bösendorfer-Instruments. Anders als bei heutigen Flügeln ist bei diesem historischen Instrument jedoch noch keine Kreuzbesaitung vorgenommen, bei der die längeren Basssaiten schräg über die Diskantsaiten geführt werden. Dadurch sind hier die Klangfarben der einzelnen Register ähnlich wie bei einer Singstimme klanglich stärker differenziert.

 

Der mit Perlmutt-Intarsien reich verzierte Flügel wurde von Clara Schumanns Cousin Wilhelm Wieck (1828-1874) erbaut. Das Instrument stammt vermutlich aus den 1860er Jahren. Der Außenkorpus ist aus Palisander, die Länge beträgt 2,10m. Der Flügel wurde in den 1980er Jahren von dem Kölner Klavierbauer H. W. Koll mit einer neuen Besaitung versehen, die originale Hammerkopfbelederung jedoch belassen. Bei der Mechanik handelt es sich um die von Wieck mehrfach verwendete Blüthner-Patent-Mechanik. Sie war 1854 von Julius Blüthner als Verbesserung der englischen Mechanik entwickelt worden. Ein weiterer Wilhelm-Wieck-Flügel mit Wiener Mechanik wird in unrestauriertem Zustand im Depot des Robert-Schumann-Hauses aufbewahrt.