Clara Wieck

Clara Wieck kam bereits als dreizehnjähriges Wunderkind erst-
mals nach Zwickau und gab hier gemeinsam mit ihrem Vater,
dem Zwickauer Singverein und dem Musikdirektor Meyer am
18. November 1832 ein Konzert im Gewandhaus, bei dem auch
erstmals eine Komposition Robert Schumanns eine öffentliche
Konzertaufführung erlebte: der erste Satz seiner g-Moll-
Symphonie, die heute als die „Zwickauer“ Symphonie bekannt
ist. Auch Clara Wieck präsentierte sich als Komponistin; leider
ist das damals aufgeführte Scherzo für Orchester heute ver-
loren, es wurde nie gedruckt. Zusammen mit ihrem Vater
spielte Clara Wieck dessen Notturno für Pianoforte und Phys-
harmonica – die Physharmonica war eine Art Reise-Harmonium,
das Friedrich Wieck auch als Übeinstrument besonders schätzte.
Wiecks Physharmonica kam aus dem Nachlass von Claras
Halbschwester Marie Wieck zu Anfang des 20. Jahrhunderts
in die Zwickauer Schumann-Sammlungen und ist heute im
Gedenkzimmer des Robert-Schumann-Hauses ausgestellt. Bei

Clara Wieck (1840)
Aquarellierte Bleistiftzeichnung von
J. H. Schramm
(Arch.-Nr. 10950-B2/A4)

diesem ersten Besuch Clara Wiecks in Zwickau soll es sich begeben haben, dass Robert Schumanns Mutter
Christiane, mit Clara gemeinsam am Fenster stehend, während Robert Schumann unten vorbeiging und
heraufgrüßte, die prophetische Äußerung tat: »Du mußt einmal meinen Robert heirathen!« Drei Jahre später,
am Nikolaustag des Jahres 1835 konzertierte Clara Wieck erneut in Zwickau, diesmal im Casino-Saal zur
grünen Tanne am Kornmarkt. Als Sängerin wirkte Auguste Piltzing mit, die Schwester von Robert Schumanns
Schulfreund Friedrich Piltzing. Diesmal stand Schumanns Toccata op. 7 mit auf dem Programm, außerdem
spielte Clara Wieck u.a. Werke von Bach, Beethoven und Chopin – eine für damalige Konzerte ungewöhnlich
anspruchsvolle Werkauswahl.

 

Als Clara 1847 erneut in Zwickau konzertierte, war sie bereits
knapp sieben Jahre mit Robert Schumann verheiratet. Diesmal
wurde nicht nur eine einzelne Komposition Schumanns aufge-
führt, sondern es handelte sich um ein ganzes Schumann-Fest.
Bei einem Konzert im Gewandhaus standen Schumanns C-Dur-
Symphonie op. 61, sein Klavierkonzert op. 54 und die speziell
zu diesem Anlass komponierte Motette „Es ist bestimmt in Got-
tes Rat“ op. 84 auf dem Programm. Kaum jemand ahnte, das
dieses „Lied zum Abschied“ wirklich ein Abschiedslied Robert
Schumanns an Zwickau werden sollte, denn bis zu seinem
Tode ergab sich keine Gelegenheit mehr zu einem Besuch in
seiner Heimatstadt.
Wohl aber kam Clara Schumann noch ein weiteres Mal nach
Zwickau. Bei einer Soiree im Deutschen Haus (heute: Studen-
tenclub Tivoli) im März 1865 spielte sie Werke von Schumann,
Beethoven Hiller, Chopin und Mendelssohn. Clara Schumann
berichtete über dieses Konzert in ihrem Tagebuch: »Seit vielen
Jahren spielte ich mal wieder in Zwickau... Die Soiree fiel ganz

Clara Schumann
Kohlezeichnung von E. Bendemann (1859
(Arch.-Nr. 6025-B2)

hübsch aus... Mein Schwägerin Pauline Schumann kam mit ihrer Tochter Anna, das war mir eine wahre Freude, ich hatte sie nach Roberts Tode noch nicht wieder gesehen.« (Berthold Litzmann, Ein Künstlerleben nach Tagebüchern und Briefen. Bd. 3, Leipzig 1909, S. 176).